Konsolidierungsfalle


Artikel erschienen in IT Reseller 2004/15

   

Das grosse Fressen in der IT-Industrie nimmt kein Ende. Nach wie vor vergeht kaum eine Woche, ohne dass irgendeine mehr oder weniger spektakuläre Firmenübernahme stattfindet. Das Resultat: Die einen werden immer fetter. Und die anderen, die Kleineren und Feineren, müssen schauen, wo sie bleiben und wo es genug Platz hat, um überleben zu können.

Die Folgen dieser Entwicklung sind weitreichend. Das Ungleichgewicht zwischen Gross und Klein sorgt dafür, dass die Kleinen mit der Gangart der Grossen Schritt halten müssen. Mal muss es hüsch und hott gehen, mal wird gebummelt. Einst verbindliche Terminpläne werden wieder über den Haufen geworfen. Beispiele dafür gibt es genug.


Im Mai hat Microsoft den Release-Termin für das Business Framework um mindestens ein Jahr nach hinten verschoben. Die Software-Partner, die vertikalisierte Erweiterungen dazu entwickeln und die fertigen Lösungen implementieren sollen, müssen sich gedulden – die Kunden auch. Aktueller: Der nächste Release von SAP Business One lässt noch ein paar Monate auf sich warten.

Die Empörung der Microsoft-Partner liess nicht lange auf sich warten. Worauf Microsoft mit dem Versprechen reagierte, im nächsten Jahr 850 Millionen Dollar in Forschung, Entwicklung und den Ausbau der Vertriebsaktivitäten der Produkte zu investieren. Zudem sollen die Partneraktivitäten insgesamt mit 1,7 Milliarden Dollar bedacht werden. Im Fall von SAP hingegen war Unmut vor allem aus Deutschland zu vernehmen, die Schweizer Partner empfinden die Verschiebung nicht als gravierend.

Eines zeigen die beiden Fälle trotzdem: Und sei der grosse Partner noch so mächtig und seine Versprechungen noch so vollmundig – es lohnt sich, ihm nicht über den Weg zu trauen. Und man tut gut daran, weiterhin andere Geschäftszweige im eigenen Garten zu pflegen. So stärkt man nicht zuletzt auch seine Verhandlungsposition gegenüber dem grossen Partner. Denn: Auf einem Bein allein steht man schlecht.

Matthias Pfander
Redaktor


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