Der amerikanische Software-Hersteller
Novell hat im dritten Quartal den Sprung in die Gewinnzone geschafft: Bei einem Umsatz von 305 Millionen Dollar erwirtschaftete das Unternehmen einen Gewinn von 23 Millionen Dollar. Gegenüber dem Vergleichsquartal des Vorjahres bedeutet dies eine Umsatzsteigerung von 7,7 Prozent. Damals hatte überdies auch noch ein Verlust von 12 Millionen Dollar resultiert.
Trotz der sichtlichen Freude über die schwarzen Zahlen hat sich Konzernchef Jack Messmann darüber beklagt, dass die Umsätze nicht so stark gestiegen seien, wie dies vom Management und von den Analysten erwartet worden war. Dafür machte der Novell-Obere die mangelnde Investitionsbereitschaft der Kunden in neue Software verantwortlich. Laut den Aussagen von Finanzchef Joseph Tibbetts seien die Umsätze insbesondere in Grossbritannien und Frankreich unter den Erwartungen geblieben. Finanzmarkt-Analysten haben Messmanns Äusserungen mit Besorgnis aufgenommen und daraus gefolgert, dass sich die erwartete Erholung im Technologiesektor verzögern könnte. An der Technologiebörse Nasdaq geriet das Novell-Papier darauf stark unter Druck und büsste rund sieben Prozent seines Wertes ein.
Open-Source-Business
für den Schweizer Channel
Sehr zufrieden zeigte sich Konzernchef Messmann dann aber mit der Entwicklung bei der deutschen Tochter Suse Linux. Der Nürnberger Linux-Distributor war von
Novell im vergangenen Jahr für 210 Millionen Dollar übernommen worden. Laut Messmann hat die Übernahme Novell vor allem als strategischer Anbieter für grosse Unternehmenskunden gestärkt. Auch in der Schweiz soll fortan stark auf das Open-Source-Pferd im Stall gesetzt werden, wie Patrik Hofer, Marketing Manager von Novell Schweiz, ausführt. Mit Toni Bernal hat Novell (Bild) Anfang Juli einen General Manager für Suse Linux eingesetzt. Der 38Jährige war vormals CEO der Conexus und zuvor als Informatik-Projektleiter und Wirtschaftsinformatiker unter anderem bei Manor und Pricewaterhouse tätig. «Bernal soll das Open-Source-Business in der Schweiz mit Vollgas vorantreiben und wird seinen Businessplan im Herbst vorlegen», so Hofer zu IT Reseller. Zentral ist dabei offenbar auch der Fokus auf die Partner: Insbesondere im Channel- und Alliance-Business soll Suse Linux stärker verankert werden, sagt Hofer: «Dafür wollen wir diejenigen Partner gewinnen, die ein echtes Interesse haben.»
Spannungsfeld: Linux und "alte" Novell
Wenn auch Suse Linux gegenwärtig sehr stark beworben werde, so dürfe dabei nicht vergessen gehen, dass
Novell strategisch auch noch auf ein weiteres Pferd setze, führt Hofer aus. So werde etwa das Identity-Management auf dem Schweizer Markt stärker zum Thema: «Wir sind bei gewissen Firmen in der Schweiz vermehrt im Gespräch – dies teilweise auch dank Linux als Türöffner», sagt Hofer.
Auch in Sachen Ressourcen-Management, das von Novell mit dem Produkt Zenworks abgedeckt wird, spüre man ein erstarktes Interesse des Marktes. Was das Netzwerk-Betriebssystem Netware angehe, sei eine Besserung der misslichen Lage in Sicht: «Es ist uns gelungen, die Talfahrt von Netware annährend zu stoppen», berichtet Hofer.
Novell Schweiz beschäftigt 211 Mitarbeitende, wovon 30 bis 40 im Geschäft mit Produkten und Professional Services tätig sind. Der Rest arbeitet im Consulting-Geschäft, das am Schweizer Markt unter dem Brand «Cambridge Technology Partners» bekannt ist. Novell Schweiz erzielte im Jahr 2003 gemäss Schätzungen einen Umsatz von 54 Millionen Franken. Genauere Zahlen kommuniziert der Software-Anbieter selber nicht. (bor)
Novell baut sich um
Bei
Novell steht eine Reorganisation an. Wie aus US-Medienberichten hervorgeht, sollen die bisher vier Geschäftseinheiten auf zwei reduziert werden. Neu wird die Abteilung unter dem Namen «Platform and Application Services» Aktivitäten in Sachen Suse Linux und Nterprise zusammenfassen. Die zweite Abteilung mit dem Arbeitstitel «Identity Services» wird Secure iServices und Resource Management beheimaten. Die Namensgebung ist noch nicht definitiv.
Ziel des Umbaus sei es, Doppelspurigkeiten abzubauen, sagte ein Novell-Sprecher gegenüber dem Branchendienst «CRN», der von den Plänen Wind bekam. Da die Veränderungen in erster Linie die Produktentwicklungsabteilungen betreffen, soll die Reorganisation für die Channel-Partner keine Umstellungen zur Folge haben.
Markus Rex, der bislang General Manager für das Suse-Linux-Geschäft war, wird neu als Suse Vice President amten und an den Ex-Ximian-CEO David Patrick rapportieren. Patrick wird die neue Platform and Application Services-Gruppe leiten. Die Identity-Services-Abteilung wird David Litwack führen, der CEO bei Silverstream war, bevor Novell diese Software-Firma übernommen hatte. (map)