Von Mäusen und Märkten

Der weltweite Markt für Eingabegeräte wie Mäuse und Tastaturen ist ein Milliardengeschäft. Logitech und Microsoft liefern sich darin eine Innovationsschlacht.

Artikel erschienen in IT Reseller 2004/15

   

Mit Mäusen lässt sich gut Geld verdienen. Logitech macht es vor und schreibt Jahr für Jahr fette Gewinne. Davon profitiert letztlich auch der Handel. Im vergangenen Geschäftsjahr, das bei Logitech per 31. März endet, wurden 636 Mio. Dollar mit dem Verkauf von Mäusen und Tastaturen über den Einzelhandel umgesetzt. Der Umsatz, den der Mäusekönig über alle Produktgruppen hinweg via OEM-Partner erwirtschaftet, beträgt dagegen «nur» 248 Mio. Dollar. Insgesamt erwirtschaftete das Unternehmen im abgelaufen Geschäftsjahr knapp 1,27 Milliarden Dollar Umsatz.
Ein aktuelles Vorhaben von Logitech ist es, die kabellosen Mäuse in der grossen Masse durchzusetzen: «Jeder soll eine kabellose Maus haben», so der frischgebackene Schweizer Country Manager Sandro Isteri. Deshalb werden im Moment bei Logitech die Cordless-Mäuse im Einsteigerbereich vorangetrieben. Trackballs hingegen waren nie ein Massenprodukt und werden es wohl nie werden. «Die Umsätze haben sich auf tiefem Niveau stabilisiert», sagt Isteri.

Zwei Dominatoren

Zurzeit werden bei Logitech zudem Pläne geschmiedet, um die Business-Klientel gezielter anzusprechen, wie Isteri ausführt. Man werde auch entsprechende Partnerprogramme einrichten, mehr will er aber dazu noch nicht sagen. Gleichzeitig beginnt sich Logitech langsam für das Weihnachtsgeschäft vorzubereiten. Demnächst werden neue Tastaturen auf den Markt kommen. Mehr Ergonomie und beidhändige Navigation sollen sie bieten.
Genaue Marktanteilszahlen kann Isteri nicht nennen, schätzt aber, dass Logitech etwa zwei Drittel des Schweizer Marktes für sich in Anspruch nimmt. Diese Einschätzung teilt auch der Schweizer Ober-Mäuserich bei Microsoft, Peter Züger (Manager Home & Entertainment). Er geht davon aus, dass der Anteil von Microsoft – je nach Produktkategorie – zwischen 20 und 40 Prozent liegt. Neben den beiden Dominatoren teilen sich ein paar weitere, kleine Hersteller den Rest des Marktes.

Mehr Retail bei Microsoft

or allem im Retail-Bereich habe Microsoft zulegen können, erklärt Züger. Allerdings sei es kaum möglich, im Schweizer Markt eine klare Grenze zwischen Retail und OEM-Markt zu ziehen. Nicht alles gelangt über die Distributoren auf den Schweizer Markt: «Da stehen Tür und Tor für Direktbelieferungen offen», so Züger.
Wie Logitech, sucht Microsoft ständig nach Innovationen im Mäuse- und Tastaturenmarkt. Für das aufkeimende Geschäft, das Microsoft im Retail-Bereich feststellen konnte, sind vor allem auch die Desktop-Produkte verantwortlich, die Maus und Tastatur in einer Box kombinieren, wie Züger erklärt. «Es ist zudem ein Bereich, der sich von einem ‹grauen Markt› zu einem Fashion-Markt entwickelt hat», erklärt Züger, was Microsoft mit der Lancierung der von Philippe Stark entworfenen Design-Maus unterstrichen hat. Über diese Neuheit bereits Bilanz zu ziehen, sei noch zu früh. «Ein Produkt braucht zwei bis drei Monate, um sich im Markt zu etablieren», so Züger, «aber die Akzeptanz des Fachhandels ist jedenfalls gross.» Für das Weihnachtsgeschäft sind die beiden Mäuse-Marktführer jedenfalls gerüstet, die entsprechenden Produkte sind schon oder werden in Kürze angekündigt.

Mäuse für alle Fälle

Die Startup-Firma Pat Says Now hat eine Nische zwischen Logitech und Microsoft entdeckt: Sie produziert Mäuse nach dem Gusto der Kunden. Daraus entstehen Modelle, die teilweise sehr ausgefallen daherkommen. Da gibt es beispielsweise eine Maus in der Form eines Herzens oder eines Frauen-Torsos (siehe Bild). Die Torso-Maus wurde ursprünglich im Auftrag des Unterwäscheherstellers Triumph entwickelt. Sie hat sich zum eigentlichen Renner – vor allem bei der männlichen Kundschaft – entwickelt, wie Geschäftsführer Patrick Strumpf im Gespräch mit IT Reseller erzählt. Allerdings gab es auch Protestreaktionen, die das Teil als sexistisch bezeichneten.
Vertrieben werden die Mäuse zurzeit über die zwei Distributoren Grafischer Verlag in Neffenbach und Multivision in Siebnen. Das eigentliche Retail-Geschäft läuft über Multivision, während der Grafische Verlag den Bereich Werbemittel übernimmt, also mit kundenspezifischen Logos bedruckte Mäuse. Für die grossen IT-Distis käme Pat Says Now aufgrund der noch vergleichsweise geringen Stückzahlen noch nicht in Frage, erläutert Strumpf. Und obwohl die Mäuse bereits an rund 100 Verkaufspunkten in der Schweiz angepriesen werden, sei er auf der Suche nach einem weiteren Distributor für die Schweiz. (map)


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