SCS & Linard: Gebündelte Kräfte, derselbe Spirit
Quelle: Linard Distribution/SCS Computer Systems

SCS & Linard: Gebündelte Kräfte, derselbe Spirit

Linard Distribution und SCS Computer Systems fusionieren und gewinnen so an Grösse, Reichweite und Know-how. Dennoch will der neu geformte Distributor dem Kundenkontakt auf ­Augenhöhe treu bleiben und zudem beide Marken wie gehabt weiterführen.

Artikel erschienen in IT Reseller 2025/04

   

Eine neue Allianz in der Schweizer Distributionslandschaft: Per 1. März sind Linard Distribution und SCS Computer Systems zusammengewachsen, beide Marken agieren seitdem unter einem gemeinsamen Unternehmensdach. Es handelt sich jedoch nicht um eine Übernahme in die eine ohne andere Richtung, wie die Distributoren im Vorfeld unterstrichen, sondern eine Fusion nach vielen Jahren der erfolgreichen Zusammenarbeit. «Wir waren seit jeher befreundete Wettbewerber», berichtet Alexandre ­Beurrier, bis dato CEO von Linard und nun auch an der Spitze des neu geformten Unternehmens. Das wohl nicht zuletzt, da es kaum Reibungspunkte beziehungsweise Schnittmengen zwischen den beiden Distributoren gab. Während Linard vor allem im Bereich Datacenter stark ist, hat SCS einen Collaboration- und AV-Schwerpunkt. Hinzu kommt die jeweilige regionale Fokussierung auf Kunden in der Westschweiz beziehungsweise in der deutschsprachigen Schweiz.


Von diesen Unterschieden können die einstigen Wettbewerber nun profitieren – Portfolio, Know-how und lokale Präsenz des anderen ergänzen. «Nach über zwei Jahrzehnten als unabhängige Schweizer IT-Distributoren macht es nun Sinn, sich zusammenzuschliessen. Es erlaubt uns, die Stärken und das kulturelle Know-how der Deutsch- und Westschweiz zu kombinieren und weiter zu vertiefen», heisst es in einer Mitteilung an Partner. Ein Schritt, der sich gemeinsam leichter bewältigen lässt als allein. So hatte Linard eine Expansion in Richtung Deutschschweiz bereits erwogen, die praktische Umsetzung sei jedoch eine Herausforderung gewesen, habe Büros und Ansprechpartner vor Ort vorausgesetzt, erklärt Beurrier im Interview. Mit SCS gelingt der Schritt nun auf einen Streich, während dem Distributor aus Itingen vice versa der Weg in die Romandie geebnet wird.

«Wir bleiben Spezialdistributor»

Auch an Grösse gewinnt das fusionierte Unternehmen, das nun rund 40 Mitarbeitende zählt (zwölf Mitarbeitende von SCS). Das schafft mehr Flexibilität, optimiert Logistikprozesse, ermöglicht umfangreichere Projekte und stärkt die Verhandlungsposition im Einkauf. Einen grundsätz­lichen Strategiewechsel soll es hingegen nicht geben. Man sei und bleibe Spezialdistributor, wie Beurrier bekräftigt. Der Fokus liegt daher weiterhin auf den Produktbereichen Datacenter, Netzwerk und AV, eine Erweiterung des Portfolios steht nicht ins Haus. Denn Vollsortimenter gebe es laut dem CEO bereits genügend im Schweizer Markt. Mit diesen wolle man nicht in Konkurrenz treten.


Wichtiger Wettbewerbsfaktor ist für den Distributor hingegen die Zusammenarbeit auf Augenhöhe. Beurrier betont die bewusste Positionierung als mittelständisches Unternehmen mit kurzen Entscheidungswegen und idealer Erreichbarkeit. Daran soll sich auch in neuer Konstellation nichts ändern. Kunden sollen stets einen direkten Ansprechpartner haben und mit Wünschen und Problemen schnell ein offenes Ohr finden. «Wir wollen nicht zu gross sein. Dadurch würden wir Flexibilität und Nähe zum Kunden einbüssen», erklärt der CEO. «Jetzt haben wir die ideale Grösse für unsere Anforderungen.» Daher sind vorerst auch keine weiteren M&A-Aktivitäten in Planung, wie er mit einem Schmunzeln betont.

Marken bleiben bestehen

Zudem haben die Distributoren gemeinsam entschieden: Beide Marken sollen auch unter dem gemeinsamen Dach unverändert bestehen bleiben. Zwar gab es durchaus Diskussionen rund um eine mögliche Vereinheitlichung, die Entscheidung fiel letztlich aber klar für die Kontinuität. So hätten beide Marken jeweils einen starken Stand bei ihren Kunden und eine gute Reputation, betont Beurrier. Daran wolle man nicht kratzen. Zudem wird auf diesem Weg der Zusammenschluss für alle Seiten so einfach wie möglich gestaltet. Keine aufwendige Markenanpassung, Standorte und Infrastruktur bleiben unverändert bestehen und auch für die Kunden wird sich im ersten Schritt nur wenig ändern. Lediglich die Rechnungsstellung soll künftig Linard Distribution übernehmen – aus «Effizienz- und Vereinfachungsgründen», wie es in dem Schreiben an die Partner heisst. Hinter den Kulissen sind hingegen einige Umstrukturierungen geplant, beispielsweise in der Logistik, der Administration sowie bei der Zusammenarbeit mit Lieferanten. Das erfolgt aktuell Schritt für Schritt. Ein Stellenabbau aufgrund von Überschneidungen in den Strukturen soll es aber definitiv nicht geben.

Know-how-Austausch im Fokus

Ein direkt spür- und greifbarer Mehrwert für Kunden ist das fusionierte Portfolio. Sie haben mit der Verschmelzung nun Zugriff auf die komplette Bandbreite an Produkten aus dem Datacenter-, Netzwerk- und AV-Bereich. Beurrier verspricht bessere Preise, eine optimierte Logistik, die besten Marken und kombiniertes Wissen. Hier wird zudem die wichtigste Schnittmenge zwischen SCS und Linard entstehen: Der Know-how-Austausch sei in neuer Konstellation entscheidend, sagt der CEO. «Wir müssen als Team zusammenarbeiten und uns gegenseitig dabei helfen zu wachsen.» Gleichzeitig gibt es aber auch klare Trennlinien. Während sich SCS weiterhin ganz auf die Kunden aus der Deutschschweiz konzentriert, steht für Linard die Romandie im Fokus. So soll sich ein möglicher Wettbewerb zwischen den Marken und Teams vermeiden lassen.

Angesprochen auf die zunehmende Ausrichtung der IT-Distribution auf Value-Add-Konzepte, Services und Cloud-Marketplaces beziehungsweise -Plattformen, entgegnet Beurrier: «All diese IT-Services laufen nur, weil darunter Hardware arbeitet.» Entsprechend gebe es mehr als genug Wachstumspotenziale auch in der klassischen Hardware-Distribution, dieser Fokus solle daher auch in Zukunft beibehalten werden. Dabei sehen sich Linard und SCS in der Schweiz gerade im Hardware-Bereich einem starken Wettbewerb und einem anspruchsvollen Marktgefüge gegenüber. Die Margen sind seit vielen Jahren knapp bemessen und vor allem seitens der Broadliner ist der Konkurrenzdruck gross. Einschüchtern lassen wollen sich SCS und Linard davon aber nicht. «Wir wachen jeden Tag auf, um uns gegen grössere Unternehmen zu behaupten», unterstreicht Beurrier selbstbewusst, «und wir sind bereit für diesen Kampf.» Die beiden Distributoren wollen sich vor allem durch niedrige Preise, eine hohe Verfügbarkeit und den angesprochenen Kundenservice im Wettbewerb abheben.


Noch steht aber die Finalisierung der Fusion ins Haus. Die Umstrukturierung der Administration ist nahezu abgeschlossen, aktuell finden zudem Gespräche mit Lieferanten statt und Teams wachsen langsam zusammen. Ist der Prozess abgeschlossen, wollen sich SCS und Linard aber ganz auf weiteres Wachstum konzentrieren und weitere Marktanteile gewinnen. «Ohne Frage, wir wollen Gas geben. Aber auch nicht zu schnell», bekräftigt Beurrier. «Das Wichtigste ist für uns die Nähe zu unseren Kunden.» (sta)
Linard und SCS
Linard Distribution agiert mittlerweile seit über 20 Jahren am Schweizer Markt und hat sich vor allem auf Produkte wie Server, Netzwerk-Switches und -Trans­ceiver spezialisiert. Im Portfolio finden sich Produkte unter anderem von Cisco, Dell, Fujitsu, HPE, HP, IBM, Intel und Microsoft. Der Sitz des Unternehmens befindet sich in Cugy bei Lausanne, entsprechend beliefert Linard vor allem Kunden in der Westschweiz. SCS Computer Systems wiederum ist in Itingen beheimatet, gegründet wurde das Unternehmen 1992 aber in Liestal. Heute ist der Distributor mit seinen insgesamt zwölf Mitarbeitern auf das AV- und Collaboration-Geschäft spezialisiert, deckt aber ebenfalls Bereiche wie Netzwerk, Server, PCs und Peripherie sowie Telekommunikation und auch Consumer Electronics ab.


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