Telekom-Partnerlandschaft im Wandel
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Telekom-Partnerlandschaft im Wandel

Das Telekom-Geschäft hat sich grundlegendend verändert: Telefonie allein reicht nicht mehr aus, gefragt sind ganzheitliche Lösungen. Wir zeigen, wo sich die ­Zusammenarbeit mit Providern heute lohnt.

Artikel erschienen in IT Reseller 2025/04

   

Die Telekommunikationslandschaft hat sich in den letzten Jahren stark gewandelt – und das nicht allein durch die Abkehr von der analogen Telefonie hin zu All-IP. Themen wie Unified Communications, Cloud-Telefonie, Security und die Integration von Kommunikationslösungen in Unternehmenssoftware sind heute gefragt und seitens Endkunden gefordert. Doch wo liegen die grössten Geschäftschancen für IT- und Telekom-Dienstleister in der Zusammenarbeit mit Providern? Welche Kompetenzen sind entscheidend, um Kunden bestmöglich zu bedienen? Und welche Strategie empfiehlt es sich als ICT-Partner zu wählen, um optimal für das Geschäft rund ums Thema Telefonie aufgestellt zu sein? Über diese Fragen haben wir uns mit Vertretern von iWay, Peoplefone, Sipcall by Backbone Solutions sowie Sunrise unterhalten.

Der klassische Telekom-Partner – ein Auslaufmodell?

Dabei zeigt sich, dass es den klassischen Telekom-Partner – spricht den Partner, der bei seinen Kunden in erster Linie Telefonie-Lösungen implementiert – trotz All-IP und Unified Communication nach wie vor gibt. Laut Felix Ruppanner, Country Manager Schweiz bei Peoplefone, sind dies oft Abteilungen von Elektroinstallationsfirmen, die Telefonie-Projekte über grössere Elektroinstallationen generieren. Das bestätigt Dejan Crvenkovic, Leiter Verkauf und Mitglied der Geschäftsleitung, iWay. Crvenkovic: «Es gibt schon noch Elektriker, die alte Telefonzentralen, die von den traditionellen Herstellern nicht mehr unterstützt werden, ablösen.» Daneben gebe es auch Partner, die vor Ort bei den Kunden Hardware installieren und den Service übernehmen. «Längst nicht alle Telefonie-Bedürfnisse lassen sich mit Softphones abbilden», weiss Crvenkovic, «man denke zum Beispiel an Arbeitsplätze ohne PC, wie solche in der Produktion, der Spedition oder im Lager.» Auch bei Sunrise kennt man die klassischen Telekom-Partner nach wie vor. Michael Büttler, Senior Director Solutions & Indirect Sales, Sunrise: «Zwar könnte eine Vielzahl an Kunden heute viele Aufgaben selbst erledigen, da die Benutzeroberflächen und Tools viel benutzerfreundlicher sind als noch vor 20 Jahren – allerdings setzen sie weiterhin auf die Unterstützung durch Telekom-Partner, um ihre Zeit dafür zu nutzen, sich auf ihre Kernkompetenzen zu konzentrieren»

Einzig Patrick Gmür, Partner Channel Manager von Sipcall by Backbone Solutions, sieht den traditionellen Telekom-Partner, der sich ausschliesslich auf Telekom-Lösungen spezialisiert hat, als aussterbende Rasse. Er sagt: «Über 90 Prozent unserer Partner agieren als IT-Systemintegratoren und bieten ein breites Spektrum an Lösungen – vor allem im Microsoft-365-Bereich – an. Telefonie ist dabei häufig nur ein ergänzendes Geschäftsfeld.» Typische Projekte würden meist als integrierte IT-Vorhaben umgesetzt, sagt Gmür, und fügt an: «Ein Kunde, der beispielsweise auf Microsoft 365 und Teams umstellt, möchte gleichzeitig seine bestehende Telefonanlage modernisieren, oder umgekehrt.» Zwar gibt es laut Gmür weiterhin Fälle, in denen ausschliesslich die Telefonanlage ersetzt wird, jedoch sind solche isolierten Projekte heutzutage die Ausnahme, da sie meist in umfassendere IT-Projekte eingebettet sind. Aus diesem Grund macht Gmür auch klar: «Aus meiner Sicht ist das Geschäftsmodell eines reinen Telefonie-Spezialisten langfristig kaum zukunftsfähig, wie die genannten Entwicklungen deutlich machen.»


Etwas anders ist hier die Sicht von Felix Ruppanner von Peoplefone, der zu Bedenken gibt, dass die installierte Basis von klassischen On-Premises-Telefonanlagen in der Schweiz sehr hoch ist. «Wenn diese Anlagen den Support verlieren oder nicht mehr aufdatiert werden können, werden sie oft von Cloud-Telefonanlagen abgelöst. Diese Ablösung übernimmt der klassische Telekom-Partner.» Ausserdem sei es keineswegs so, dass der Telefonie-Bedarf einer Firma grundsätzlich mit einer UCC-Lösung abgedeckt werden kann. «Hier gibt es viele Vor- und Nachteile zu bedenken. Der Telekom-Partner ist hier in der Regel der beste Ansprechpartner.» Trotzdem ist auch Ruppanner der Meinung, der reine Telefonie-Spezialist sollte sich IT-Know-how zulegen, um langfristig im Kommunikationsmarkt zu bestehen. «Ein neuer Kunde erwartet in der Regel, dass sich der Partner in beiden Welten auskennt und dementsprechend die individuell beste Lösung anbieten kann.»

Dejan Crvenkovic erklärt zur heutigen Rolle des traditionellen Telekom-Partners: «Früher hatten Partner mit einer ausgeprägten klassischen Telefonie-Spezialisierung mit dem Hersteller der Telefonanlagen Wartungsverträge. Heute bestehen Partnerschaften mit dem Internetanbieter und dem Anbieter virtueller Telefonanalgen. Das bedeutet, der Partner kann für die Wartung und das Customizing der virtuellen PBX, den Service oder Zusatzprodukte Bündel schnüren. Damit ist die Kundenbindung deutlich stärker als früher.» Michael Büttler von Sunrise schliesslich ist der Meinung, dass sich die Aufgaben des klassischen Telekom-Partners heute im Vergleich zu früher nicht so sehr unterscheiden – einzig dass der Fokus heute stärker auf Softwarelösungen sowie Apps und Web-Apps liegt anstatt auf Hardware-Integrationen und On-Premises-Lösungen, die lokal gewartet werden müssen. Entsprechend lautet sein Rat an traditionelle Telekom-Partner: «Ich würde einem solchen Partner empfehlen, sich auf cloudbasierte Lösungen und die Integration von Softwarelösungen zu fokussieren, um den sich wandelnden Kundenbedürfnissen gerecht zu werden.»

Föllmi ICT – Wandel vom IT- zum ICT-Spezialisten

Quelle: Föllmi ICT
Föllmi ICT, ein ICT-Spezialist mit knapp 50 Mitarbeitenden und acht Niederlassungen, hat sein IT-Dienstleistungsportfolio im Jahr 2016 um Providerdienste erweitern wollen. Dabei habe man gezielt nach einem Partner gesucht, der Internet, Festnetztelefonie und TV aus einer Hand und im Whitelabel-Modell anbietet, erklärt Claudio Zala, Inhaber und Geschäftsführer des Unternehmens mit Sitz im Sarganserland. Ausserdem wollte man mit einem Provider arbeiten, der bodenständig wie auch pragmatisch sei und mit dem man auf Augenhöhe zusammenarbeiten könne. «Da wurde uns iWay empfohlen. Mit einem kompetitiven Produktportfolio und sympathischen Schlüsselpersonen konnten sie unsere Evaluation für sich entscheiden» berichtet Claudio Zala.

In der Regel sei es so, dass sich Geschäftskunden aufgrund der IT-Lösungen für Föllmi ICT entscheiden. Im Zuge der Zusammenarbeit werden durch Cross-Selling dann oft auch Telekom-Lösungen wie Internet und Festnetztelefonie integriert. Besonders gefragt seien dabei virtuelle PBX-Lösungen etwa des Schweizer Anbieters WWcom oder von 3CX, während Microsofts Teams-Telefonie im Falle von Föllmi ICT weniger Anklang findet. «Gleichzeitig gewinnen wir zunehmend Neukunden, die durch Empfehlungen auf unsere Telefonie- und Internetlösungen aufmerksam werden – ohne uns zuvor als IT-Dienstleister gekannt zu haben», erklärt Claudio Zala. «Weiter stellen wir fest, dass sich das sonst herausfordernde Privatkundengeschäft dank des Mehrwerts, den unser Providergeschäft bietet, wieder positiv entwickelt. Hier geht es primär um die Umstellung auf Glasfaser und gute WLAN-Router.»


Die Verbindung von IT und Telekommunikation bringt allerdings nicht nur neue Geschäftsmöglichkeiten, sondern auch Herausforderungen mit sich. Zala nennt unter anderem das Multi-Tenant-Management von Microsoft 365 und die Rekrutierung und Ausbildung von Fachkräften, die sowohl in der IT- als auch in der Providerwelt fit sind. Eine weitere Schwierigkeit seien die vielen Technologien, die man unter einen Hut bringen muss – beispielsweise das Beherrschen der unterschiedlichen Telefonie-Systeme, die man im Portfolio hat. Und es brauche Expertise in der alten Server-Welt wie auch in Microsoft 365, genauso wie Praxiserfahrung im Umgang mit den Kunden, um sie beispielsweise im Telefonie-Prozess zu unterstützen. «Last but not least muss das Ganze effizient abgerechnet werden können, was wiederum Schnittstellenprogrammierung und gute betriebswirtschaftliche Kenntnisse voraussetzt», so Zala. Hierbei helfe es, als Firme nebst Drive eine gewisse Grösse zu besitzen, damit sich das Wissen auf mehrere Personen verteilt, keine ungesunden Abhängigkeiten entstehen und genug Kapazität für die Weiterentwicklung des Portfolios vorhanden ist. Hat man die Herausforderungen aber im Griff, kann sich die Kombination Telefonie und IT-Dienstleistungen als durchaus lohnenswert herausstellen. Claudio Zala sagt: «Durch das zusätzliche Geschäftsfeld Providergeschäft konnten wir die Kundenumsätze beinahe verdoppeln. Dabei kommt die Qualität eher von den Geschäfts- und die Quantität von den Privatkunden – aber beides braucht es, um in diesem Markt erfolgreich zu sein.» Für nachhaltigen Erfolg sorge dabei einerseits das aufeinander abgestimmte Ökosystem, andererseits der Umstand, dass der Kunde für die Gesamtlösung nur einen Ansprechpartner hat – «ein wahrer Mehrwert und Garant für eine prosperierende Zusammenarbeit», so Zala.

Bezüglich den Erwartungen für die kommenden Monate rund um das Telekomgeschäft erklärt Claudio Zala, dass der Wechsel von ISDN zu SIP weitgehend abgeschlossen sei und auch die durch Corona forcierte Remote-Arbeit mittlerweile etabliert ist. «Jedoch sind viele Anforderungen aus dieser Zeit geblieben und werden mit weiteren technischen Neuerungen bei Investitionsintervallen – wie aktuell dem Ende von Windows 10 – in Lösungen berücksichtigt und umgesetzt», so Zala. Weiter stelle man fest, dass KMU an modernen Interpretationen der Festnetztelefonie festhalten. «Teams und Mobile hat diese nicht ersetzt, sie sind eher als sinnvolle Ergänzung zu sehen. Teams für die Kollaboration und Mobile, um die Firmennummer beispielsweise via Softphone auch von unterwegs zu nutzen – wenn und wann man will.»

Im Hinblick auf den Providerpartner erklärt der Föllmi-ICT-Geschäftsführer abschliessend noch, dass man an iWay nebst der Bodenständigkeit, die man gesucht habe, auch das umfassende und kompetitive Angebot, die unkomplizierte Zusammenarbeit durch langjährige Ansprechpartner und die klaren Strukturen schätze. Mit Blick auf die Zukunft hofft Claudio Zala, dass iWay trotz bevorstehender Nachfolgefragen seine Identität und seinen kundenorientierten Ansatz beibehält. «Wir hoffen, dass sich die Identität der Firma nicht zu stark verändert, weiter gute Ansprechpersonen zur Verfügung stehen und der Drive so erhalten bleibt», sagt Claudio Zala an iWay gerichtet. (mw)

IT-Partner und Telefonie: Lohnt sich der Einstieg?

Im Umkehrschluss ist selbstverständlich auch die Frage, wie komplex es für einen klassischen IT-Partner ist, Know-how im Bereich Telefonie aufzubauen, spannend. Patrick Gmür von Sipcall betont, dass viele IT-Partner bereits Erfahrung mit Telefonanlagen haben und sich die notwendigen Kompetenzen relativ leicht aneignen können. Falls nicht, biete Sipcall als Provider gezielte Unterstützung. Felix Ruppanner berichtet von grossem Interesse seitens IT-Dienstleistern an Telefonie-Lösungen, weist aber darauf hin, dass es sich selten um eine Kernkompetenz dieser Unternehmen handelt und Wissen darum bewusst aufgebaut werden muss. Ein einfacher Einstieg sei die Integration von Telefonie in Microsoft Teams, für die Peoplefone regelmässige Schulungen anbietet. «Auch der Aufbau von Kompetenzen bei der Installation von Cloud-PBX-Anlagen ist gut machbar, bedeutet aber eine zeitliche Investition von mehreren Tagen», erklärt Ruppanner.


Dejan Crvenkovic von iWay ergänzt, dass die Entscheidung für den Einstieg in die Telefonie stark von der Kundenstruktur und der strategischen Ausrichtung des IT-Dienstleisters abhängt. Und Michael Büttler sagt: «Telefonie erfordert spezifisches Fachwissen und Erfahrung, insbesondere in Bezug auf Netzwerkinfrastruktur, Protokolle und Sicherheitsanforderungen.» Darum macht auch er klar, dass IT-Partner in Schulungen, Zertifizierungen oder zusätzliches Fachpersonal investieren müssen, um die Erwartungen der Kunden in diesem Bereich zu erfüllen.

Teams Telefonie nicht unterschätzen

Teams hat sich in der Microsoft-dominierten Arbeitswelt als allgegenwärtiges Kommunikations-­Tool etabliert und bildet durch seine weitreichenden Möglichkeiten im Bereich Telefonie seit geraumer Zeit auch eine spannende Alternative zur virtuellen PBX, die entsprechend viele Projekte generiert. Doch diese Projekte sind nicht ganz trivial – dessen sind sich die Provider einig. Patrick Gmür von Sipcall betont, dass Partner fundierte Kenntnisse in Microsoft 365, Teams-spezifischen Telefonie-Lösungen sowie Powershell haben sollten. Sipcall hat sich hier seit geraumer Zeit schon der Wissensvermittlung verschrieben und veranstaltet Ende Mai bereits zum fünften Mal den Teams Telefonie Day – einen kostenlosen Thementag rund um die Teams-Telefonie für interessierte Partner und Endkunden. Zur Vertiefung von spezifischen Themen veranstaltet das Unternehmen zudem ergänzende Online-Workshops. Solche gibt es auch bei Peoplefone, und zwar in Form von Microsoft-Teams-VoIP-Deep-Dive-Kursen mehrmals jährlich. Michael Büttler von Sunrise erklärt zum Thema Know-how für Teams-Telefonie: «Ein Partner sollte in der Lage sein, Microsoft Teams mit dem öffentlichen Telefonnetz zu verbinden. Dies erfordert Kenntnisse in der Konfiguration und Verwaltung von SIP-Trunks sowie der Integration von Microsoft Teams mit Business Voice for Microsoft Teams. Des Weiteren muss er in der Lage sein, die Kundschaft bei der Nutzung von Operator Connect und Direct Routing zu unterstützen.»

Dejan Crvenkovic von iWay relativiert derweil die Rolle von Teams in KMU ein wenig. «Nicht alles dreht sich um Teams, denn es ist sehr aufwendig. Der Partner muss die Kenntnisse der Microsoft-Welt besitzen, um seine Kundinnen und Kunden bedienen zu können», so Crvenkovic. Grosse Unternehmen würden verstärkt auf Teams setzen, so Crvenkovic weiter, weil der Grossteil der Belegschaft nur intern telefoniert oder man bei Teams die UCC-Funktionalitäten braucht. Doch KMU benötigten oft klassische PBX-Funktionen wie Ringruf, Anrufumleitungen, Feiertagsregelungen oder Warteschleifen – Features, die Teams nur eingeschränkt oder gar nicht biete. «Um solche Funktionen zu implementieren und die Bedürfnisse der KMU erfüllen zu können, braucht es erstens tiefe Produktkenntnisse und zweitens in vielen Fällen noch eine separate PBX inklusive dem Wissen des einzelnen Anbieters.» Und Crvenkovic bekommt bezüglich seiner Meinung zu Teams durchaus Zuspruch seitens der Mitbewerber. Felix Ruppanner von Peoplefone betont, dass fast alle klassischen Telefonanlagenhersteller mittlerweile Lösungen anbieten, die über reine Telefonie hinausgehen und auch Funktionen wie Videocalls beinhalten. «Das Interesse an solchen Lösungen ist sehr gross, weil Teams von den Telefonie-Funktionen her meistens nicht alle Bedürfnisse von Firmen abdeckt.» Deshalb setzt Peoplefone auf Kompatibilität mit einer Vielzahl von PBX- und UCC-Lösungen und strebt entsprechende Zertifizierungen an. Michael Büttler von Sunrise nennt Plattformen wie Cisco Webex und Zoom mit vergleichbaren Funktionen wie Teams, darunter Video- und Audiokonferenzen, Chat, Dateifreigabe und die Integration mit Business-Anwendungen wie CRM-Systemen. Er unterstreicht, dass es für Provider wichtig ist, verschiedene UCC-Produkte im Portfolio zu haben, um Kunden die passende Lösung für ihre individuellen Bedürfnisse bieten zu können. Bei Sipcall schliesslich würden sich die meisten Kunden entweder für Teams-Telefonie, die hauseigene Sipcall Virtual PBX oder für 3CX in Verbindung mit einem SIP-Trunk entscheiden. Andere Lösungen wie Swyx, Pascom oder Starface spielen hingegen nur eine geringe Rolle, so Patrick Gmür.


Nebst Microsoft mit Teams ist die von Gmür erwähnte Lösung 3CX der Hersteller, auf den man im Telefonie-Umfeld aktuell wohl am häufigsten stösst. Gmür führt zu 3CX folgendermassen aus: «3CX wird vor allem dort eingesetzt, wo die Funktionen unserer Sipcall Virtual PBX nicht ausreichen – etwa bei grösseren Kunden oder in Szenarien, in denen spezielle Callcenter-Funktionen benötigt werden und Microsoft Teams nicht zum Einsatz kommt.» Eine Nutzung von Teams als Telefonanlage sei nämlich nur dann sinnvoll, wenn auch dessen weitere Zusammenarbeitsfunktionen aktiv genutzt werden. «Daher setzen zum Beispiel viele Produktionsbetriebe, bei denen Teams aktuell keine zentrale Rolle spielt, auf 3CX», so Gmür. «Partner in diesem Umfeld sollten über vertiefte Kenntnisse in der Konfiguration, Integration und Anpassung von 3CX-Lösungen verfügen.»

Felix Ruppanner von Peoplefone erklärt zu 3CX derweil, die Lösung würde sehr breit eingesetzt, eigne sich für Firmen praktisch jeder Grösse und decke ein sehr breites Spektrum von Funktionen ab. «Unsere Partnerlandschaft für 3CX ist enorm gross. Wir empfehlen Partnern, für 3CX spezifische Kurse zu besuchen, um das entsprechende Know-how aufzubauen.» Peoplefone selbst biete hierzu Basic-Trainings für Einsteiger, technische Workshops für Fortgeschrittene sowie Callflow-, Scripting- und API-Kurse für Profis an.

Teleinformatik Services: Smarte IT- und Telekommunikationslösungen für KMU

Quelle: Teleinformatik Services
Das Unternehmen Teleinformatik Services mit Sitz in Zürich beschäftigt sich seit der Gründung im Jahr 1999 gleichwohl mit den Themen IT sowie Telefonie – Nomen est omen sozusagen. Was das Telefonie-Geschäft angeht, arbeitet Teleinformatik Services mit mehreren Providern zusammen – namentlich Peoplefone, Sunrise und Swisscom. Jeder dieser Provider kann dabei mit individuellen Stärken aufwarten, berichtet Alain Arnold, seit Herbst 2024 CEO von Teleinformatik Services. An Peoplefone schätze man unkomplizierte und persönliche Ansprechpartner, das gute Partnerportal, die Stabilität sowie die Tatsache, dass der Provider auf sein Partnernetzwerk setzt und seine Partner im Dienstleistungsbereich nicht konkurrenziert. Letzteres gelte auch für Sunrise, zudem schätze man an Sunrise ebenfalls die persönlichen Ansprechpartner und die attraktiven Flatrate-Preise. Bei Swisscom sieht Alain Arnold die Stärken derweil bei der Kundenakzeptanz, dem guten Partnerportal sowie dem Support.

Angesprochen auf typische Telekom-Projekte bei den Endkunden nennt Alain Arnold die Ablösung von klassischen Telefonanlagen durch Teams, 3CX oder eine virtuelle PBX, welche bei Unternehmen umgesetzt würde und die diesen zahlreiche Vorteile bringen. «Dazu gehört die Integration der Telekommunikationswelt und IT, wie zum Beispiel die Anbindung des CRM-Systems. Ausserdem wird die Einbindung von Künstlicher Intelligenz für die Auswertung von Anrufen inklusive Transkriptionslösungen ermöglicht.» Die Projekte seien sehr spannend, gleichzeitig würden sie im Telefonie-Bereich deutlich weniger Ressourcen erfordern als im IT-Bereich, was zur Folge hat, dass sie teilweise weniger lukrativ sind, teilt Alain Arnold seine Erfahrungen. Dank der Tatsache, dass Teleinformatik Services sowohl als Telefonie-Spezialist als auch als einer der führenden IT-Dienstleister im Raum Zürich unterwegs sei, sei das für das eigene Unternehmen weniger herausfordernd als für reine Telefonie-Dienstleister. Diese würden es hingegen zunehmend schwerer haben, ihre Kunden zu behalten, «da viele KMU nur noch einen Ansprechpartner für beide Themenbereiche wünschen», erklärt Alain Arnold. «Zudem ist heutzutage ein umfassendes IT-Know-how für aktuelle Lösungen unerlässlich.»


Um moderne Telefonie-Lösungen optimal zu implementieren, sind laut Arnold tiefgehende IT-Netzwerkkenntnisse (TCP/IP) und Programmierfähigkeiten (API-Integration zwischen PBX und CRM) erforderlich. Die Spezialisten seines Unternehmens seien in der Lage, durch die Integration von Telefonie in IT-Systeme Unternehmen zu unterstützen, ihre Prozesse zu optimieren, so Alain Arnold, und nennt als Beispiel eine Anwendung für 3CX, die man für die Kunden entwickelt habe und die Rückruf-E-Mails mit CRM-Daten verknüpft – eine Funktion, die besonders am Empfang gefragt sei.

Angesprochen auf das aktuelle Projektgeschäft erklärt Alain Arnold, dass viele Schweizer KMU aufgrund der All-IP-Migration der letzten Jahre bereits auf virtuelle Telefonie umgestellt hätten. «Dementsprechend erhalten wir immer weniger Anfragen für die Ablösung klassischer Telefonanlagen.» Es gebe jedoch weiterhin einige Unternehmen, die lediglich einen ISDN/IP-Adapter für die All-IP-Migration eingesetzt haben und nach wie vor klassische Telefonanlagen nutzen – nicht selten von Hersteller Mitel, der jüngst einem seiner wichtigsten KMU-Systeme den End-of-Life-Status verpasst hat. «Angesichts dessen hoffen wir, dass sich diese KMU nun dazu entscheiden, eine neue Lösung zu finden.»

Abschliessend wollten wir von Alain Arnold noch wissen, was er an seinen Telekom-Providern besonders schätzt, und wo er noch Optimierungspotenzial bei der Zusammenarbeit ortet. Wichtig sei ihm respektive Teleinformatik Services ein persönlicher Ansprechpartner – «denn wir möchten uns nicht mit Provider-Prozessen befassen.» In diesem Zusammenhang erwähnt er Sunrise, wo man ohne persönlichen Ansprechpartner oft verloren sei. Zudem bemängelt er bei Sunrise die langsamen internen Prozesse. Von Peoplefone hingegen würde er sich ein Flatrate-Angebot wünschen, da «viele KMU Fixkosten bevorzugen.» (mw)

Zusätzliche Geschäftsfelder für Partner

Die bisherigen Aussagen der Provider-Vertreter machen klar, dass allein mit Telefonie heute kaum mehr die ganz grossen Geschäfte gemacht werden, sondern dass die spannenden Projekte in der Integration mit IT-Lösungen liegen. Doch da hört es nicht auf. Es gibt im Dunstkreis von Telefonie und Kommunikation zahlreiche weitere Themenfelder, die für die Tätigkeit eines ICT-Partners spannend sein können. Felix Ruppanner erklärt zum Beispiel, Peoplefone erweitere sein Tätigkeitsfeld laufend, wobei aktuell drei Geschäftsfelder im Fokus stehen. Erstens die Integration der Telekommunikation in Geschäftsprozesse über APIs. Bereits heute bietet Peoplefone eine offene API an, die von Drittfirmen frei genutzt werden kann, etwa zur Integration von CRM- oder ERP-Systemen. Zusätzlich arbeite man daran, seine Systeme im Laufe dieses Jahres mit Automatisierungsplattformen wie Zapier oder Make.com zu verknüpfen. Zweitens sehe man grosses Potenzial in der Verbesserung der Geschäftskommunikation mittels Videocalls. «Hierzu bringen wir in diesem Jahr ein neues Tool namens Peoplefone Studio heraus, welche die Wirkung von Online-Präsentationen enorm verbessert», verrät Felix Ruppanner. Daneben investiert Peoplefone in ein Start-up, welches es in naher Zukunft ermöglicht, virtuelle und holografische Sitzungszimmer zu nutzen, in denen sich die Teilnehmer real gegenüber sitzen können. Und drittens wird der Provider noch in diesem Jahr eine AI-Lösung für Geschäftstelefonie auf den Markt bringen. «Diese kann eingesetzt werden, um den eigenen Support bei weniger komplexen Fragen zu unterstützen oder Anrufende automatisch auf Stichwort mit dem richtigen Gesprächspartner zu verbinden», nennt Ruppanner zwei Beispiele. Rund um die Lancierung dieser Lösungen werde man in das Know-how und die Vertriebskompetenz der Partnerlandschaft investieren, verspricht der Schweizer Länderchef von Peoplefone dazu.

iWay nennt auf die Frage nach weiteren möglichen Tätigkeitsfeldern für seine Partner ergänzende Produkte etwa zur Standortvernetzung, für Cloud-Lösungen, Backup und Webhosting über Fallback-Lösungen bis hin zur Rechenzentrumsanbindung, die iWay im Angebot führe. «Für jedes Produkt muss der Wholesale-Partner auch über die notwendigen Kenntnisse verfügen wie etwa Engineering- und Produkt-Skills für die Vernetzung von Standorten oder für Security-Produkte», macht Dejan Crvenkovic klar.


Michael Büttler von Sunrise erklärt, dass man über das gesamte Produktportfolio mit verschiedenen Partnern zusammenarbeite, um dem Kunden innovative Lösungen in den Bereichen Konnektivität, Mobile Private Networks, IoT, Cybersecurity sowie Cloud und weiteren Themen zu bieten. «Für die Partner ergeben sich dadurch verschiedene Optionen für eine Zusammenarbeit. Einige Partner entwickeln mit uns gemeinsam innovative Lösungen, die gezielt an den Kundenbedürfnissen ausgerichtet sind. Andere agieren wiederum als Wiederverkäufer oder treten mit ihrer Nähe zum Kunden als Implementationspartner auf.» Das benötigte Know-how wiederum hänge stark von der Art der Zusammenarbeit ab, ergänzt der Sunrise-Mann. «Die meisten Partner sind auf einen bestimmten Geschäftsbereich spezialisiert, nur wenige decken das gesamte Spektrum unseres Produktportfolios ab. Das erforderliche Fachwissen reicht vom Beziehungsmanagement bis hin zur vertieften technischen Expertise.»

Sipcall schliesslich macht klar, dass der primäre Fokus auf der Festnetztelefonie via VoIP liegt. Für interessierte Kunden biete man über einen Dritt-Provider optional auch Internetanschlüsse an, da diese Kombination gelegentlich gewünscht werde. «Dabei schätzen sowohl Kunden als auch Partner, dass sie im Bereich Konnektivität frei in der Wahl ihres Internetproviders bleiben», weiss Patrick Gmür, der damit auf die nächste Frage überleitet: Beziehe ich als Kunde alles aus einer Hand oder arbeite ich mit einer Handvoll spezialisierter Lieferanten zusammen?

Spezialisierter Anbieter oder Full-Service-Provider?

Gmür erklärt dazu, dass Sipcall-Kunden den klaren Vorteil der Zusammenarbeit mit einem spezialisierten Festnetztelefonie-Anbieter, der durch fokussierten Support und schnelle Reaktionsfähigkeit überzeugt, schätzen würden. Gmür: «Die Zusammenarbeit mit mehreren spezialisierten Lieferanten ermöglicht es, in jedem Bereich von tiefgreifendem Expertenwissen zu profitieren. Allerdings erfordert dies auch eine sorgfältige Koordination und Abstimmung zwischen den verschiedenen Anbietern.» Sunrise hat hierzu – wenig überraschend – eine etwas andere Sicht. Michael Büttler: «Wir sehen, dass sich viele KMU einen einzigen Anbieter für alle ICT-Dienstleistungen wünschen, um die Zusammenarbeit möglichst effizient zu gestalten, administrative Tätigkeiten wie die Rechnungsstellung zu vereinfachen und von einem Preisvorteil für das Servicepaket zu profitieren. Das Gleiche gilt entsprechend auch vermehrt für unsere Partner.» Gleichzeitig weiss auch Büttler, dass in gewissen Bereichen bereits etablierte Kooperationen bestehen und eine Konsolidierung auf einen Provider den Nachteil einer steigenden Abhängigkeit mit sich bringt. Auch komme es vor, dass ein einziger Anbieter nicht sämtliche Bedürfnisse vollständig abdecken kann, weshalb Sunrise in der Frage der Zusammenarbeit offen für verschiedene Modelle sei. Auch Felix Ruppanner sieht Vor- und Nachteile: «Die Vorteile eines einzigen Anbieters liegen in einer Verringerung der Komplexität für den Partner und den potenziellen Kunden. Ein Nachteil kann darin liegen, dass der Partner sich in eine grosse Abhängigkeit begibt. Ein Full-Solution-Provider hat die Möglichkeit, die Wertschöpfungskette zu diktieren und den Partner als reinen Dienstleister von seinen Produkten zu marginalisieren.»

GMTec-Topcontrol: Individuelle Telefonielösungen und verlässliche Partner

Quelle: GMTec-Topcontrol
Beim Unternehmen GMTec-Topcontrol handelt es sich um eine Elektrofirma mit Sitz in Zürich mit einem breiten Tätigkeitsgebiet – angefangen bei Beratung und Planung über Dokumentation, Bauüberwachung bis hin zur Inbetrieb- und Abnahme von Elektro-, Beleuchtungs-, Automatisierungs-, Kommunikations- und Sicherheitsanlagen. Im Telefonie-Bereich arbeitet das Unternehmen mit den beiden Providern Sipcall und iWay zusammen – und zwar aus mehreren Gründen. Beide seien sehr zuverlässig, immer telefonisch erreichbar und bei Störungen seien beide bestrebt, diese innert kurzer Zeit zu beheben, erklärt Giuliano Marinaro, der im Unternehmen als Fachmann für VoIP-Telefonie und Internet tätig ist. Ebenfalls schätze er die Nähe – iWay sitzt in Zürich, Sipcall in Schindellegi, eine halbe Stunde entfernt – das erleichtere den Verkauf. Und besonders geschätzt werde das Engagement der Mitarbeitenden bei den Telekom-Providern. Es gehe nicht nur um ein Unternehmen, sondern um das Gefühl, dass Anbieter wie Sipcall, iWay oder auch Gigaset persönlich für ihre Kunden da seien. das vermittle Sicherheit und Vertrauen. Verlässliche Partner zu haben, sei in der heutigen Zeit eine Seltenheit.

Primär setzte GMTec-Topcontrol bei seinen Kunden virtuelle Telefonanlagen um, so dass diese keine physische Telefonanlage mehr im Geschäft haben. «Der Vorteil liegt darin, dass man die Anlage sehr flexibel aufbauen kann. Egal, ob Fixtelefon, Funktelefon, App auf Handy, App am PC. Alles kann eingebunden werden. Egal, ob sich Mitarbeiter in Zürich oder in einem anderen Land befinden. Es funktioniert überall und tadellos», berichtet Giuliano Marinaro. Spannend an den Projekten sei, dass kein Kunde dieselbe Telefonanlage benötige, was den ganzen Aufbau sehr interessant mache. Man installiere Anlagen mit über 100 Nummern, die entsprechend viel Konfiguration benötigen, aber auch Anlagen, bei denen Mehrzellen-Funkabdeckung gewünscht sei, so dass man in einem grossen Areal oder in einem mehrstöckigen Gebäude ohne Unterbrüche telefonieren kann. Oder es gäbe Anlagen, wo nur die App mittels WLAN funktionieren müsse. Das Angebot sei vielfältig und entsprechend spannend. «Die Herausforderung liegt darin, den Kunden zu verstehen», sagt Giuliano Marinaro, nennt als Beispiel einen Kunden, der vielleicht über Jahre eine klassische Telefonanlage genutzt hat und deren gewohnte Funktionen in einer neuen Lösung beibehalten will. Da sich die Telekommunikation jedoch stark verändert habe, sei dies nicht immer eins zu eins möglich. «Das Wichtigste ist immer das erste Gespräch mit dem Kunden. Zuhören, verstehen, was er möchte, verarbeiten und die nötigen Fragen stellen, wenn man etwas nicht versteht.» Oft liessen sich einfache Lösungen finden, die sogar Vorteile brächten. So könne beispielsweise statt eines manuell ein- und auszuschaltenden Anrufbeantworters eine automatische Steuerung genutzt werden, die auch Feiertage und Ferien berücksichtige. Auf diese Weise werde dem Kunden nicht nur eine Alternative, sondern eine Verbesserung geboten. Als weitere Herausforderung nennt er die Preisthematik. «In erster Linie verkaufen wir unsere Zeit. Das ist der Hauptverdienst», so Marinaro. Mit dem Verkauf von Produkten Geld zu verdienen, sei hingegen schwierig, da Elektronikprodukte online oft günstiger angeboten würden. Daher brauche es Argumente, warum ein Kunde beim Fachhändler kaufen solle. Ein wichtiger Punkt sei die Garantie: Wer beim Fachhändler kauft, erhalte Unterstützung im Garantiefall und müsse sich nicht selbst um Probleme oder die Neukonfiguration kümmern. Diese Sicherheit rechtfertige einen höheren Preis.


Zur Frage, welches Know-how in Projekten verlangt werde, antwortet der VoIP-Spezialist, dass die wesentliche Aufgabe nicht darin bestehe, eine Telefonanlage zu installieren, da dies relativ schnell erlernbar sei. «Wenn aber eine Störung auftritt, muss man etwas vom Fach verstehen.» Dafür brauche es nicht nur Kenntnisse in der Telematik, sondern auch eine solide Basis in der Informatik, denn viele Akteure seien an der Datenübertragung beteiligt, darunter nicht nur Anbieter wie Sipcall oder iWay und der Kunde selbst. Zudem gäbe es nach wie vor Kunden, die weiterhin Fax oder ISDN-Telefone betreiben wollten. Die langjährige Erfahrung der Techniker sei daher von grosser Bedeutung, um auch diese Anforderungen zu erfüllen. Telematiker verfügten über ein breites Wissen, das von den Grundlagen der Telefonie über analoge und digitale Übertragungstechniken bis hin zur heutigen Glasfasertechnologie reiche. Dieses fundierte Fachwissen sei entscheidend, um Störungen zu analysieren und Lösungen bereitzustellen. (mw)

Herausforderungen in der Partnerlandschaft

Wir wollten von den Providern auch noch wissen, wie sich ihre Partnerlandschaft in der jüngeren Vergangenheit grundsätzlich entwickelt hat und wo allenfalls noch ungenutzte Potenziale brachliegen. Bei iWay sei die Nachfrage sowohl im Wholesale- als auch im Sales-Partnerbereich in den letzten 24 Monaten sehr stark angestiegen, berichtet Dejan Crvenkovic. «Immer mehr Partner wollen auf die beste Alternative zu den Grossen setzen, weil die Marktführer zunehmend grosse Partner bevorzugen und kleinere IT-Partner gar nicht mehr bedienen», begründet er das Interesse. Auch bei Peoplefone wächst die Zahl der Partner, und zwar wöchentlich, wie Felix Ruppanner sagt. «Der grösste Zuwachs kommt klar aus dem Bereich der IT-Partner. Hier ist der Einstieg oft ein einzelnes Telefonie-Projekt mit einem bestehenden Kunden. Unsere Aufgabe ist es dann, diesen Partner so gut zu unterstützen, dass dieses Projekt gut und speditiv umgesetzt werden kann. Oft entsteht beim Partner dann die Lust, weitere Projekte anzustossen.» Patrick Gmür erklärt, dass Sipcall durchschnittlich einen neuen Installationspartner wöchentlich hinzugewinnt. «Dabei zeigt sich, dass mehr als die Hälfte der neuen Partner im M365-Business aktiv sind und besonderes Interesse an unserer Teams-Telefonie-Anbindung haben.»

Etwas komplexer ist die Situation bei Sunrise. Nach dem Zusammenschluss von UPC und Sunrise wurde auch die Partnerlandschaft konsolidiert, die Tendenz sei nun aber wieder wachsend, so Michael Büttler. Dabei unterscheide Sunrise zwei Hauptgruppen: Zum einen setze man auf Business Solution Reseller, welche für Endkunden eine Gesamtlösung mit Komponenten von Sunrise oder auch anderen Herstellern bauen. Zum anderen arbeite man mit regional verankerten Partnern, die bei KMU als Trusted Advisers für alle ICT-Belange agieren.


Angesprochen auf die Herausforderungen, mit denen die Providerpartner sich konfrontiert sehen, erklärt Büttler, dass insbesondere kleinere, inhabergeführte Partnerbetriebe teils vor Schwierigkeiten stehen, wenn es um die Rekrutierung geeigneter Fachkräfte und um das Thema Nachfolgeregelung geht. Gleichzeitig steige die Erwartung der KMU-Kunden, dass ihr ICT-Partner Expertise in Cloud- und Security-Themen mitbringt. Umso wichtiger sei es für die ICT-Partner, sich in diesem Bereich weiterzubilden und weiterzuentwickeln. Felix Ruppanner von Peoplefone betont, dass Partner klar definieren müssen, welche Dienstleistungen sie anbieten wollen. Telekom-Partner stünden oft vor der Notwendigkeit, sich stärker in Richtung IT zu entwickeln, was jedoch erhebliche Schulungen und Anpassungen im Team erfordert. IT-Partner wiederum müssten entscheiden, ob und in welcher Form sie Telekommunikationslösungen in ihr Portfolio integrieren möchten, so Ruppanner. Patrick Gmür von Sipcall beobachtet, dass viele Partner unsicher sind, ob sich der Aufbau von Microsoft 365- und Teams-Know-how langfristig lohnt. Die Marktentwicklung deute jedoch darauf hin, dass sich UCC-Lösungen zunehmend durchsetzen und daher eine Spezialisierung in diesem Bereich Potenzial bietet. Dejan ­Crvenkovic von iWay ergänzt schliesslich, dass die IT-Branche stark professionalisiert ist und es nur noch wenige Quereinsteiger aus der klassischen Telefonie gibt. Die heutigen IT-Spezialisten seien derweil bereits gut auf die modernen Anforderungen vorbereitet, sodass sich der Trend zur Spezialisierung weiter fortsetzt.

Neue Partnerportale und mehr

Stellt sich abschliessend noch die Frage, welche Neuerungen die befragten Provider für ihre Partner für dieses Jahr noch in petto haben. Dejan Crvenkovic verweist dabei auf neue VoIP-Produkte, die jüngst angekündigt wurden. Ab dem Sommer werde iWay zudem der einzige Provider sein, der ein Wholesale-Mobilprodukt anbietet, das der Partner unter seiner eigenen Marke vertreiben kann und das auf dem Netz von Swisscom basiert.

Michael Büttler von Sunrise kündigt die Einführung eines neuen Partnerportals an, das die Interaktion zwischen Partnern und Sunrise effizienter gestalten soll. Zudem wird ein neues Partnerprogramm eingeführt, das den Partnern mehr Sichtbarkeit auf dem Markt verschafft und sie im Wettbewerb besser positioniert.


Bei Peoplefone ist geplant, neben den bereits angesprochenen Neuheiten verstärkt in die Weiterentwicklung der eigenen KMU-PBX Peoplefone Hosted zu investieren, da viele UCC- und PBX-Anbieter ihre Lösungen zunehmend auf Grossunternehmen ausrichten würden. Zudem wird die Partner-Administrationsplattform optimiert – unter anderem durch die Integration elektronischer Unterschriften und eines 3CX-Shops. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Umsetzung der neuen EU-Vorschriften zur Cybersicherheit (NIS2), die Schweizer Partnern eine erhöhte Sicherheit sowie die Möglichkeit bietet, internationale Projekte ohne Compliance-Hürden abzuwickeln, wie Felix Ruppanner ausführt.

Und nicht zuletzt kann auch Patrick Gmür von Sipcall zwei wesentliche Neuerungen für die nahe Zukunft ankündigen. So wird bei Sipcall in den kommenden Monaten die laut Gmür «lang erwartete Warteschleifen-Funktion» für die eigene virtuelle Telefonanlage eingeführt. «Zudem wird unser komplett überarbeitetes Partnerportal online gehen – basierend auf der gleichen neuen Plattform, die bereits beim aktualisierten Kundenportal eingesetzt wird.»

Murer Systems: Telefonie ist noch lange nicht tot

Quelle: Murer Systems
Ob Chat, Videocall oder gleich multifunktionale Collaboration-Plattformen wie Teams, Webex, Zoom und Co.: In Anbetracht der Vielfalt an Business-Kommunikation gilt die klassische Telefonie schon seit Jahren als Auslaufmodell. Zumindest in der Theorie manch grosser ICT-Anbieter. Aber allen Unkenrufen zum Trotz gibt es nach wie vor viele Schweizer ICT-Dienstleister, die auch heute gutes Geld mit dem Voice-Geschäft – mit TK-Anlagen, Telefonen und SIP-Trunks – verdienen.

Ein Beispiel: Murer Systems aus Jona. Das 2002 gegründete Unternehmen beschäftigt sich nun schon seit über 20 Jahren mit Telefon­anlagen und hat diesen Schwerpunkt bis dato beibehalten. Dabei steht Murer Systems längst nicht nur für Telekommunikation. «Wir haben Telefonie und ICT schon immer zusammen angeboten», berichtet Geschäftsführer Richard Murer, der den ICT-Dienstleister nach seiner fast zwanzigjährigen Tätigkeit bei Swisscom gegründet hatte. Entsprechend finden sich neben Telefonanlagen auch PCs und Notebooks, Hosting-Dienste und vor allem Security-Lösungen im Portfolio. «Das Wissen braucht es heutzutage ohne Frage in beiden Welten», so Murer. «Keine PBX ohne Firewall.»


Trotz ICT-Affinität liegt der Fokus bei Murer aber klar auf der Telefonie. Mittlerweile konzentriert sich der ICT-Dienstleister hier allem voran auf Systeme von 3CX. Als Soft-PBX bieten diese eine hohe Flexibilität, lassen sich sowohl lokal beim Kunden betreiben als auch im Rechenzentrum hosten. Darüber hinaus hat 3CX UC-fokussierte Funktionen wie die Integration von Mobilgeräten über Apps, Videocalls und verschiedenste Kundencenter-Features wie beispielsweise Live-Chats an Bord. Neben 3CX arbeitet Murer auf PBX-Seite zudem mit Mitel zusammen, ergänzt um das SIP-Trunk-Angebot mehrerer Provider.

«Ein regelrechter Boom»
Das Telekommunikationsgeschäft bleibt laut Richard Murer vielversprechend. Nicht zuletzt aufgrund der Abschaltung der Schweizer ISDN-Netze in den vergangenen Jahren und der Migration der Telefonie in die IP- beziehungsweise ICT-Welt. Dieser Schritt habe zu einem regelrechten Boom geführt. Immerhin mussten viele Systeme (meist kurz vor Torschluss) für VoIP gerüstet werden. Zwar ist der Effekt mit der Zeit etwas abgeflacht, aber auch heute noch befinden sich noch mehr als genug Alt-Lösungen im Einsatz, die schlicht mit einem Media Gateway für das VoIP-Zeitalter fit gemacht wurden. Hinzu kommen im KMU-Bereich Router, die im kleineren Rahmen als Kommunikations­zentrale dienen, und jetzt eine IP-Modernisierung erfordern.

Aber auch über den IP-Umstieg hinaus: Klassische Telefonie wird laut Richard Murer und Stephan Zahner, ebenfalls in der Geschäftsleitung von Murer Systems, weiterhin nachgefragt und vielerorts gefordert. Das auch gerade in Abgrenzung zu oft Public-Cloud-zentrierten ICT-Lösungen wie der Microsoft Teams Telefonie. «Denken Sie an Produktionsbetriebe und die Einbindung von Alarmanlagen», berichtet Zahner. «Oder aber an DECT-Telefonie, beispielsweise in Alterszentren. Über WLAN gibt es bei Telefonie hingegen häufig Probleme.» Hinzu komme die Kostenfrage. «In Summe ist Teams oft doppelt so teuer wie eine PBX – und die Lizenzpreise steigen weiter. Sicher, das hat alles seine Berechtigung, vor allem in grossen Unternehmen.» Murer Systems bietet ebenfalls Telefonie-Lösungen mit passender Teams-Integration an, rechnet hier auch mit einem schnellen Wachstum des Marktes: «Aber eben nicht in einem Produktionsbetrieb», unterstreicht Zahner.

Telefonie: Hohe Anforderungen
Das liegt auch an den Ansprüchen der Nutzerinnen und Nutzer und einer vergleichsweise niedrigen Frustrationstoleranz. Während Bild­ruckler oder ein kurzzeitig eingefrorenes Gegenüber im Videomeeting kaum stören, sorgen Knistern in der Leitung und abgehackte Sätze am Hörer schnell für Missmut. Entsprechend zuverlässig müssen die Telefonanlagen arbeiten und das Netzwerk für den Einsatz vorbereitet sein, beispielsweise durch Quality of Service und weitere Optimierungsmassnahmen. «Die Anforderungen sind bei der Telefonie definitiv viel höher», unterstreicht Stephan Zahner.

Sprich: Auch wenn die Welten schon längst zusammengewachsen sind, braucht es für Telefonie nach wie vor Fachwissen. Zu individuell ist dieser Technologiebereich, der früher im Elektrohandwerk und nicht in der ICT beheimatet war. Viele klassische Elektrikerfirmen hadern ­jedoch mit der ICT-Welt oder konnten schlicht nicht das nötige Know-how gewinnen. Das schafft wiederum Potenzial für Anbieter wie ­Murer Systems, die sich schon früh in beiden Bereichen bewegt ­haben. «Man muss dieses ICT-Know-how heutzutage aufbauen, daran führt kein Weg vorbei», so Richard Murer. «Daher haben auch so viele Elektriker aufgehört.» Denn es sei oft zu komplex, sich neben der Telefonie in Themen wie Netzwerk und Security einzuarbeiten. Das vor allem auch aufgrund der immer tieferen Integration der Voice-Lösungen in ICT-Systeme. Ob Computer Telephony Integration (CTI) oder Unified Communications & Collaboration: Übergreifende Ansätze werden immer mehr nachgefragt, berichten Murer und Zahner im Interview mit «IT Reseller». Das setzt seitens des Dienstleisters wiederum Verständnis von CRM-Systemen, Datenbanken und hyperkonvergenter Infrastruktur voraus – oder aber die richtigen Partnerschaften.

Zusammen in die Zukunft
So arbeitet Murer Systems schon seit Jahren mit zahlreichen ICT-Anbietern, aber auch Elektrikerfirmen zusammen. Im Fokus steht dabei der Know-how-Austausch, jeder bringt sein individuelles Wissen mit ein, um den jeweiligen Kunden gemeinsam eine ganzheitliche Lösung bieten zu können. Besonders eng ist die Partnerschaft mit ICT-Spezialist Diag aus Lachen. Und nun wächst der ICT-Dienstleister aus Jona mit Diag zusammen. Im Rahmen einer Nachfolgeregelung fusionieren die beiden Anbieter. Denn Richard Murer will sich in absehbarer Zeit nach mehr als 40 Jahren in der ICT-Branche aus dem Geschäft in den Ruhestand zurückziehen. «Ich habe Telefonie damals noch mit dem Stöpsel­automaten kennengelernt», blickt der Gründer zurück. Für eine geregelte Zukunft sei Diag wiederum die ideale Lösung. So sei man gemeinsam künftig viel breiter aufgestellt, berichtet Murer. Die gebündelten Portfolios bilden ein breites Spektrum ab. Zudem könne man die zunehmende Komplexität des ICT-Marktes mit einem gestärkten Team auch in Zukunft bestmöglich stemmen.

Ein grosser Vorteil ist dabei, dass Diag das Feld Telefonie bisher nicht abgedeckt hat, dafür im Bereich IT-Infrastruktur stark aufgestellt ist. Somit greifen die jeweiligen Portfolios nahtlos ineinander und ergänzen sich an den richtigen Stellen. Trotz dieser vielversprechenden Ausgangslage will der Geschäftsführer aber auch persönlich ein Auge darauf haben, dass der Zusammenschluss reibungslos verläuft. Er bleibt an Bord, bis der Übergangsprozess abgeschlossen ist – und zeigt sich auch für die Zeit nach seinem Abschied überzeugt vom Zukunftspotenzial der Telekommunikation: ICT-Lösungen wie Teams sollen laut Murer zwar weiter an Fahrt gewinnen, Telefone werden aber nicht so schnell von den Schreibtischen verschwinden. «Telefonie ist noch lange nicht tot», die Nachfrage im Markt sei da – und «langweilig ist mir in all den Jahren ehrlich gesagt noch nicht geworden». (sta)


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