Da sassen doch die beiden cholerischen Chefs von Sun und
Microsoft, Scott McNealy und Steve Ballmer, freundlich lächelnd nebeneinander im Fernsehstudio (ich glaube, es war NBC), gratulierten sich gegenseitig und schwärmten, wie sehr ihre Kundschaft von der neuen Männerfreundschaft profitieren würde. Sun wird in Zukunft Windows-Server bauen, und Microsoft will nett zu Java sein.
Ich traute meinen Ohren kaum, als McNealy, eigentlich auf die Rolle als oberster Microsoft-Basher abonniert, auf die Frage nach der Erzfeindschaft mit Microsoft sagte: «Ich habe es überwunden.» Steve Ballmer sass freundlich lächelnd daneben und – oh Wunder – sagte nichts.
Fehlt nur noch, dass Redmond proprietären Code der Opensource-Gemeinde zur Verfügung stellt. Tatsächlich! Letzte Woche veröffentlichte Microsoft den Sourcecodes eines Toolkits und gab ihn zum Download auf einer Seite der Opensource-Gemeinde frei.
Wenn das so weitergeht, wird nichts so sein, wie es war. Oracle-Chef Larry Ellison beispielsweise könnte mit Bill Gates wandern gehen und daraufhin öffentlich zugeben, dass auch Microsoft recht gute Datenbanken baue. Derselbe Ellison könnte sich bei Peoplesoft entschuldigen und zugeben, dass feindliche Übernahmen kein gutes Mittel zur Kundenbindung seien. Und ausserdem könne Hasso Plattner schneller segeln als er.
Die eiserne HP-Lady Carly Fiorina und Cisco-Boss John Chambers ihrerseits würden dem Wall Street Journal anvertrauen, eigentlich sei ihnen der HP- und Cisco-Aktienkurs schnurzegal und sie flugmüde.
Und wenn wir schon am Phantasieren sind: Delec-Chefantreiber Jürg Schwarzenbach würde im Gespräch mit IT Reseller offenbaren, dass ihn das Geschäftemachen langweilt und er daran denke, in Gümligen einen Kebab-Stand aufzumachen. Der Name des zünftigen Spitzenetablissements im Berner Vorort: «Jüres Diamond Kebab».
Christoph Hugenschmidt
Chefredaktor